Artikel der Neuen Westfälischen

Hövelhof. Ein kleines Dorf im Norden des Senegal. Einige Kinder gehen zur Dorfschule, Affenbrotbäume ragen aus der roten Erde, ein Krankenhaus soll weiter aufgebaut werden. Dienstags ist Markt. Labgar, das ist die Heimat von Mor Séne. Unlängst gründete er einen Förderverein, der die Wasserversorgung seines Dorfes sichern soll. 415 Meter Leitungen sind bereits verlegt, eine neueWasserpumpe soll folgen. Auch die Kolping-Gemeinde aus Hövelhof beteiligt sich. „Wasser für Labgar“, so heißt der gemeinnützige Verein, den Mor Séne zusammen mit Dorothea Martl im vergangenen Jahr gegründet hatte (die NW berichtete). Das Ziel: die dauerhafte Sicherstellung der Trinkwasserversorgung des Ortes. 10.200 Einwohner sollen davon profitieren. Seit nunmehr 38 Jahren lebt Mor Séne in Deutschland, reiste bereits mehrmals zurück nach Westafrika. Stets mit im Gepäck :Spendengelder und die Hoffnung auf Besserung.

 

Im April führte ihn sein Weg nach Dakar, die Hauptstadt Senegals. Mit dem Pickup seines Cousins brachten beide zusammen das gekaufte Material 370 Kilometer weit in den Norden des Landes. Bis Labgar folgten noch einmal 65 Kilometer Schotterpiste. Ein kleines Abenteuer, wie Séne es rückblickend beschreibt. „Zwanzig junge Leute haben geholfen, 415 Meter haben wir gebuddelt und am Ende fünf neue Wasseranschlüsse geschaffen“, erzählt der 61-Jährige. Die neuen Leitungen verbinden den Wasserturm mit dem Krankenhaus, der Dorfmitte und der Schule, jener Einrichtung, die Séne selbst sechs Jahre lang besuchte. „Ich hatte Tränen in den Augen als das Wasser endlich lief. Das habe ich schon immer gewollt – und jetzt hat es geklappt“, sagt er und nimmt einen Schluck Mineralwasser. Die Zisterne im Ort sei imÜbrigen fast so alt wie er. Der Zustand des Wasserspeichers macht ihm jedoch Sorgen. Deshalb hat er bereits ein neues Projekt vor Augen: eine solarbetriebene Pumpe.

Sie soll dieWasserversorgung sichern – und das scheint dringend nötig. Immerhin ist der Strom nur zwischen 19 und 24 Uhr angestellt, wenig Zeit für die etwa 10.000 Einwohner, umsich mit genügend Wasser für den nächsten Tag einzudecken. „Sonne gibt es genug, jeden Tag“, sagt Mor Séne, „und den Diesel müssen die Dorfbewohner erst kaufen“. Dass die alte Pumpe den Menschen in Labgar immer häufiger den Dienst versagt, sei ein echter Schreck gewesen. Zuletzt habe er sich im November ein Bild davon machen können. Vereinsvorsitzende Dorothea Martl schreibt unterdessen an Firmen, sammelt Spendengelder, organisiert Themenabende. Auch sie reiste mit an die Westspitze Afrikas. Der erste Eindruck von Labgar: „Die Wasserstellen sind gepflegt, so dass wir eine gute Arbeitsgrundlage haben“. Langfristig wünsche sie sich einen Brunnen für die Bewohner, auch im Krankenhaus könne noch viel getan werden. Für dieses engagierte Ziel hat sich der Förderverein nun mit der Hövelhofer Kolpingfamilie zusammen getan. Der Empfang im Pfarrheim am Wochenende mit 110 Gästen war ein Anfang – „und ein wunderbares Zeichen der Solidarität“, wie Lorenz Moos findet.

Laut dem Bildungsbeauftragten der Kolping-Gemeinde gehe man keineswegs blauäugig an das Projekt heran, sondern habe bereits erste Ideen gesammelt und Kontakte geknüpft. „Hoffentlich sind wir dem Ziel bald ein Stück näher“, sagt er. Etwa 20.000 Euro werden für die neue Pumpe benötigt. Indes bietet Mor Séne seinen Gästen Bananenkuchen und afrikanischen Tee an. Leichthändig gießt er ein Glas Wasser ein, lächelnd, mit einem kurzen, nachdenklichen Blick. Wasser – das ist ein zentraler Bestandteil seines Lebens geworden.