Hilfsgüter warten im Lager Was Mor Séne vom Förderverein „Wasser für Labgar“ zu verzollen hat VON SIGURD GRINGEL Ein Leben im Senegal kann sich Mor Séne nicht mehr vorstellen. Er fährt aber zweimal im Jahr in die Hauptstadt Dakar. Dort hat er eine Wohnung. Wenn er seinen Computer aufklappt, ist er zumindest visuell schon im Senegal. 

seneDorothea Martl und Mor Séne wollen den Menschen im Senegal helfen. Sie haben einen Verein gegründet und mehrere Tausend Euro für Hilfsgüter gesammelt. Diese wollen sie nun verschicken. Doch der Zoll im Senegal macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Jetzt hat Séne die Deutsche Botschaft in Dakar eingeschaltet. Séne, der seit einigen Jahren in Schloß Holte lebt, ist kurz davor, klein beizugeben. Vor zwei Jahren haben der gebürtige Senegalese und Dorothea Martl den Förderverein „Wasser für Labgar“ gegründet und erste Erfolge erzielt. Sie haben neue Wasserleitungen bauen lassen und so die täglichen Wege zum Brunnen verkürzt. Doch die Leitungen allein genügen nicht. Eine neue Pumpe muss her. Die alte wird mit Diesel betrieben, was auch im Senegal teuer ist, und schafft es nicht mehr, die benachbarte Zisterne komplett zu füllen. Martl und Séne wollen eine solarbetriebene Pumpe installieren. Die Pumpe kaufen sie vor Ort, die Module und weitere Ausstattung für das neue Krankenhaus wie Betten, Decken, Matratzen oder Handtücher liegen seit Monaten in einer Lagerhalle in Hövelhof bereit zum Abtransport. Es fehlt die Genehmigung des Zollamtes im Senegal. Die Mitarbeiter prüfen derzeit, ob es sich bei den Waren wirklich um Hilfsgüter handelt. Denn Hilfsgüter müssen nicht verzollt werden. Séne findet die Prüfung auch in Ordnung. „Es kommt oft vor, dass Sachen als Hilfsgüter deklariert, dann aber im Senegal verkauft werden“, sagt er. Aber dass es so lange dauert, kann er nicht verstehen. Fast täglich ruft er im Senegal an, landet entweder bei einem Anrufbeantworter oder wird vertröstet. Jetzt hat er die Deutsche Botschaft um Hilfe gebeten, aber noch keine Antwort erhalten. In einem Brief an die Vereinsmitglieder hat Séne mitgeteilt, dass er nur noch zwei Wochen warten will. Hat er dann noch keine Nachricht aus dem Senegal, gehen die Güter auf das Containerschiff. „Es ist eben so, hatte ich doch gedacht, es gibt einen menschlicheren Weg als immer über Geld“, schreibt er. Im Fall des Vereins handele es sich möglicherweise um etwa 4.000 Euro Zusatzkosten für den Zoll, schätzt Séne. Die Menschen benötigen aber schnell Unterstützung. „Die Ernte der vergangenen zwei Jahre war schlecht“, sagt Séne. Die Menschen hätten zwar noch genug zu essen, könnten aber nichts mehr verkaufen. Mit einer leistungsstärkeren Pumpe wäre genug Wasser vorhanden, um sogar zwei Ernten pro Jahr einzufahren. Die Idee: Die Solarpumpe soll an ein neues Bohrloch angeschlossen werden. Das Bohrloch existiert bereits und ist versiegelt. Die Genehmigung der Stadtwerke Dakar liege vor, sagt Séne. Hundert Meter geht das Loch in die Tiefe, bei 46 Meter ist das Grundwasser erreicht. Weil das Wasser dort sauberer ist als das des ersten Brunnens, soll es den Menschen zugute kommen, die bisherige Station ist für die Tiere. Séne hofft, dass auch dort bald eine Solarpumpe installiert werden kann. Kontakt mit einer Firma aus Delbrück hat er schon aufgenommen.

Quelle: NW NEWS (http://www.nw-news.de/owl/kreis_guetersloh/schloss_holte_stukenbrock/schloss_holte_stukenbrock/10300900_Hilfsgueter_warten_im_Lager.html)