Eine unerwartet lange Zeit hat der Schloß Holte-Stukenbrocker Mor Séne in seinem Geburtsland Senegal verbracht, um die Entwicklungsprojekte voranzubringen. Er hat weitere Pläne – und hofft auf einen Arzt.

So eine lange Zeit hat Mor Séne noch nie in seinem Geburtsland verbracht, seitdem er vor 47 Jahren seine Heimat in Deutschland gefunden hat. Er hat genau mitgezählt: Ein Jahr, sieben Monate und 17 Tage hat er im Senegal verbracht. Kurz vor der Coronakrise ist er dorthin gereist und durfte über Monate nicht wieder ausreisen. Und dann gab es noch so viel für sein Entwicklungshilfeprojekt „Wasser für Labgar“ zu tun, dass er kurzerhand geblieben ist. In erster Linie hat er Obstbäume gepflanzt – und zudem den Pfusch bei der Brunnenbohrung behoben.

Seitdem er zusammen mit der Hövelhoferin Dorothea Martl vor fast neun Jahren das Hilfsprojekt gestartet hat, fliegt er jedes Jahr für ein paar Wochen in den Senegal. In der Hauptstadt Dakar und in Labgar im Landesinnern hat er eine Wohnung. Selbst vor Ort zu sein und die Landessprache sprechen zu können, ist für das Vorankommen einen Hilfsprojektes in Afrika sehr wichtig. Das weiß er aus Erfahrung. Er musste schon das ein oder andere Mal kungeln, um zum Beispiel einen Container mit Hilfsgütern aus einer Lagerhalle im Hafen von Dakar auszulösen oder die Hilfsgüter ins Landesinnere nach Labgar zu transportieren. Auch ist es von Vorteil, die Bauprojekte zu kontrollieren. Sonst kann so etwas passieren: Die Bohrung für den Trinkwasserbrunnen ist schräg angesetzt worden, der Bohrstab tief in der Erde gebrochen. Anschließend haben sich die Beteiligten die Schuld gegenseitig in die Schuhe geschoben. Mittlerweile ist der Verursacher überführt, er sitzt eine Gefängnisstrafe ab, sagt Mor Séne. Allerdings ist das Projekt dadurch um Monate zurückgeworfen. Mor Séne hofft, dass der Brunnen im Januar das ersehnte Wasser spenden kann.

Es wird dringend gebraucht, um die Felder zu bewässern und die Ernte zu sichern. Bislang sind die Menschen auf den Regen angewiesen. Doch wenn der ausbleibt, können sie nichts verkaufen oder hungern sogar. 2020 war der Regen ergiebig, in diesem Jahr hörte die Regenzeit aber zu früh auf. „Es fehlten zwei Regen“, sagt Mor Séne. „Dann wäre es eine gute Ernte geworden.“

Obwohl sie selbst so saftig sind, benötigen Melonen nicht viel Wasser zum wachsen

Die Tiere haben zwar genug Fressen gefunden, aber Hirse, Mais und Erdnüsse schafften es nicht, sich vollständig zu entwickeln. Melonen, davon gab es reichlich. Denn die benötigen nicht viel Wasser, erklärt Mor Séne. Obwohl die innen doch so schön saftig sind.

Mit dem Wasser aus dem Brunnen will der Verein sein eigenes Gelände bewässern. Auf zwei Hektar sollen dann neben Hirse, Mais und Erdnüssen zusätzlich noch Zwiebeln, Kartoffeln, Möhren, Tomaten und Paprika wachsen und auch geerntet werden. Alles für den lokalen Markt. Menschen aus Labgar finden im Ort eine Arbeit und Lohn, mit dem Gewinn will der Verein weitere Projekte anstoßen. Ideen haben Mor Séne und Dorothea Martl reichlich.

Gerade entsteht eine Werkstatt, in der zwei Solartechniker arbeiten werden. Die Ausbildung hat ihnen der Verein bezahlt. Die jungen Männer sollen in erster Linie Solarmodule installieren und warten. Strom haben in Labgar nur wenige. Anfang 2022 werden vier junge Frauen ihre Ausbildung – ebenfalls finanziert vom Verein – beenden. Zwei Näherinnen und zwei Medizinisch Technische Assistentinnen. Mor Séne arbeitet daran, eine nachhaltige Struktur in seinem Geburtsort aufzubauen. Damit die MT-Assistentinnen noch selbstständiger Patienten betreuen können, hofft er darauf, dass eine Ärztin oder ein Arzt aus Deutschland die beiden Frauen ein paar Monate lang fachkundig anleitet. Für eine Wohnung in Labgar wäre gesorgt. Interessenten können sich beim Verein melden.

Und eine Bäckerei schwebt ihm vor. Ohne Holzöfen, sondern mit Dieselaggregaten und Solarstrom. Denn Holz ist in Labgar mittlerweile Mangelware. Allein auf die Sonnenkraft können Bäcker jedoch nicht setzen. Sie fangen um 2 Uhr in der Früh an, da ist es noch stockdunkel. Und eine Batterie zum Speichern von Solarstrom ist im Senegal nahezu unbezahlbar, sagt Mor Séne. Zumindest für einen kleinen Verein.

Nicht zuletzt setzt er große Hoffnungen in das Obstbaumprojekt. Im Vergangenen Jahr hat er damit angefangen, Bä me zu Pflanzen: Mango, Orange, Papaya, Zitrone, Pampelmuse und Banane. Viele davon sind von Menschen aus SHS und der Umgebung gespendet worden. Weitere Spender sind erwünscht. Bis die Bäume erste Früchte tragen, werden aber bestimmt noch zwei, drei Jahre vergehen. Sie sind auch nicht nur wegen der Früchte wichtig. Sie spenden Schatten und schützen vor Erosion. Die Wurzeln stabilisieren den Boden, das Laub düngt ihn. „Wenn das gut läuft, wäre viel geschafft“, sagt Mor Séne.