Menschen können Bäume spenden. Die helfen auf natürliche Weise,
die Lebensumstände in einer sehr armen Region zu verbessern.

Sigurd Gringel/ Schloß Holte-Stukenbrock/ Labgar.

Die Sahelzone in Afrika ist eine der ärmsten Regionen der Welt. Seit acht Jahren engagiert sich ein Förderverein für die Menschen im Senegalesischen Ort Labgar mit dem Ziel, die Lebensumstände der Menschen nachhaltig zu verbessern und ihnen eine Bleibeperspektive
zu bieten. Vieles ist den beiden Vereinsgründern von „Wasser für Labgar“,
Dorothea Martl aus Hövelhof und Mor Séne aus Schloß Holte-Stukenbrock,
bereits gelungen. Für ihr Engagement wurden sie auch schon im Senegal ausgezeichnet.
Jetzt wollen sie eine weitere Idee umsetzen. Auf dem vereinseigenen
Areal in Labgar sollen Obstbäume gepflanzt werden. Dorothea Martl und Mor Séne hoffen darauf, dass Menschen aus Deutschland die Bäume finanzieren. Die Idee erinnert an ein Großprojekt, das schon 2007 in Afrika in Gang gesetzt wurde. Im Gegensatz zu dem großangelegten Projekt hat das Mikroprojekt von „Wasser für Labgar“ einen wahrscheinlich entscheidenden Vorteil.

Die Sahelzone war grüner


Die Sahelzone ist der Übergang von der trockenen Sahara zur Savannenlandschaft weiter südlich. Sie gilt heute als Armuts- und Krisenregion, daran sind nicht allein die Dürren schuld. Die Probleme haben viele Ursachen, eine Melange aus inneren und äußeren Einflüssen wie Überbevölkerung und Korruption, Ausbeutung der Landschaft oder
der Lebensmittelproduktion für den Weltmarkt. Vieles sind noch Nachwirkungen der Kolonialzeit. Die in der Geographie beschriebene Desertifikation (Wüstenbildung) ist größtenteils menschengemacht.
Vor einigen hundert Jahren war nicht alles besser, die Sahelzone
war aber nachweislich Grüner. Das wird in historischen Schilderungen von Afrikaforschern deutlich. Das Wort „Sahel“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet Ufer. Die Karawanen fanden nach ihrer Reise durch die karge
Wüste wieder eine üppige Vegetation vor. Das Ufer am Rand des Wüstenmeers. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts beschrieben Botaniker
Landschaften, die trotz Dürrejahre die Menschen und Tiere ernähren konnten. War es mal zu trocken für die Weidewirtschaft, gab es noch die
Jagd. Zum Großwildbestand des Sahel sollen bis in die 1930- er Jahre Antilopen, Büffel, Elefanten, Giraffen, Löwen, Hyänen und Affen gezählt haben.
Dieses Ufer soll wieder existent werden, als grünes Band von Dakar im Westen bis Dschibuti im Osten: The Great Green Wall; fast 8.000 Kilometer
durch elf Staaten; eine Barriere aus Bäumen gegen die unwirtliche Wüste. 2007 startete das Projekt, noch bis 2030 sollen Bäume gepflanzt werden.

Bäume haben wichtige Funktionen

Holz ist eine wichtige Energieressource,
die Bäume haben aber auch Vorteile für den strapazierten Boden. Sie spenden Schatten und brechen den Wind, die Wurzeln stabilisieren
den Boden und halten Feuchtigkeit, so könne sogar der Grundwasserspiegel wieder angehoben werden, hoffen Wissenschaftler. Das abgeworfene Laub düngt die Felder. Das Baumprojekt soll in erster Linie die Erträge steigern
und die Nahrungsversorgung sichern, weiter gedacht könne es Konflikte eindämmen und Migration mindern. Mit viel Elan startete das Projekt gerade im Senegal. Laut offiziellen Angaben konnten dort mehr als elf Millionen Bäume bereits gepflanzt werden, berichtet die Welthungerhilfe.
Es entstanden Baumschulen, auch unweit von Labgar. Mehr als zehn Jahre später wurde das Problem der großangelegten Entwicklungshilfeprojekte
zunehmend deutlich. Weil sich niemand für die Bäume verantwortlich fühlte und sie nicht bewässerte, gingen viele wieder ein oder stehen kurz davor. Man hat zudem gelernt, dass Zäune vor Tierverbiss helfen. Diese Fehler will der Förderverein „Wasser für Labgar“ vermeiden. Zwei Hektar Land hat er gekauft und eingezäunt. Darauf wird schon angebaut und geerntet. Vor allem MorSéne, der aus Labgar stammt, kümmert sich vor Ort um die Belange des Vereins. Fast das ganze Jahr 2020 hat er dort verbracht. Er hofft, dass in Kürze die neue Bohrung Wasser für das Feld liefert. Und für die Obstbäume. Die Idee, die Bäume nicht einfach aus der Vereinskasse zu kaufen, sondern Menschen in Deutschland die Möglichkeit zu geben, einen Baum den Menschen in Labgar zu schenken, hatten Dorothea Martl,
Veronika Potthast (Werbeagentur „Hinkucker“)und Angelika Michelis (Vereinsbedarf Hövelhof). Weitere Informationen zur Obstbaumaktion
gibt es unter:
www.foerdervereinwasser-
fuer-labgar.de