Der Förderverein “Wasser für Labgar” schickt Container voll Hilfsgüter in den Senegal

Spenden für Labgar:

Noch stehen die Hilfsgüter in einer Lagerhalle des Spediteurs Andreas Hartmann. Dorothea Martl freut sich, dass der Verein etwa 70.000 Euro an Sach- und Geldspenden innerhalb eines Jahres zusammentragen konnte. – © Sigurd Gringel
Spenden für Labgar: Noch stehen die Hilfsgüter in einer Lagerhalle des Spediteurs Andreas Hartmann. Dorothea Martl freut sich, dass der Verein etwa 70.000 Euro an Sach- und Geldspenden innerhalb eines Jahres zusammentragen konnte. | © Sigurd Gringel
Schloß Holte-Stukenbrock / Hövelhof Förderverein schickt Container voll Hilfsgüter in den Senegal

Der Förderverein hat viele Spender gewinnen können und schickt in Kürze einen Container voller Hilfsgüter nach Afrika. In erster Linie sollen Felder für den Anbau von Gemüse entstehen.
Sigurd Gringel
Auch die Evangelische Kirchengemeinde sammelt beim Erntedankfest Liemke für Wasser für Labgar.

Einen plakativen Namen hat Dorothea Martl bereits:

Gemüse für Labgar. Damit fasst die Vorsitzende des Fördervereins „Wasser für Labgar“ das neue Projekt im Senegal zusammen. Dafür haben die Hövelhoferin Dorothea Martl und der Schloß Holte-Stukenbrocker Mor Séne, die 2012 den Förderverein gegründet haben, so viele Unterstützer gewinnen können, dass am 18. Oktober ein großer Container, prall gefüllt mit Hilfsgütern, per Schiff den Hamburger Hafen verlassen kann. Etwa drei Wochen später wird die Fracht in Senegals Hauptstadt Dakar erwartet und dann per Lkw nach Labgar geliefert. Dann will auch Dorothea Martl vor Ort sein, um den Weitertransport gemeinsam mit Mor Séne zu koordinieren. Séne befindet sich jetzt schon im Senegal, um Vorbereitungen zu treffen.

Wie mehrfach berichtet, hat der Förderverein bereits erfolgreich die Versorgung der Menschen in Labgar mit sauberem Trinkwasser deutlich verbessern können. Das eher provisorische Krankenhaus ist mit medizinischen Geräten und Gebrauchsmaterial ausgestattet worden. Zudem befinden sich derzeit sechs Jugendliche in Ausbildung. Sie sind bald Elektriker und Mechatroniker und unterstützen jetzt schon tatkräftig das neue Projekt.

Der Förderverein will zudem mittelfristig fünf bis sechs feste Häuser bauen und ausstatten. Eine neue Schule soll entstehen, ein Ausbildungszentrum und eine Werkstatt. Die Auszubildenden kümmern sich um die Verkabelung. Als erstes entstehen aber zwei Lager für die Hilfsgüter. „Eins muss auf jeden Fall fertig sein, wenn der Container ankommt“, sagt Dorothea Martl. Die Steine für das Gebäude stellen die Menschen in Labgar gerade selbst her.

Unterstützer: Andreas Hartmann (v. l.), Sabine Jaekel, Michael Athens, Dorothea Martl, Christian Graute, Birgit Erhardt, Jens Fischer, Andreas Steffens und Bernhard Dillhage. – © Sigurd Gringel
Andreas Hartmann ist geschäftsführender Gesellschafter der Paderborner Spedition Hartmann. Er unterstützt den Förderverein, weil er sich sicher ist, dass die Sach- und Geldspenden 1:1 dort ankommen, wo sie gebraucht werden. „Das hat mich überzeugt“, sagt er. Er habe von Projekten gehört, bei denen bis zu 50 Prozent der Spendensumme für Verwaltungskosten verwendet werden. In einer seiner Lagerhallen liegen die Hilfsgüter nun, bereit zum Verladen in einen zwölf Meter langen Container.

Es sind zahlreiche Tische und Bänke für die Schule dabei – an den alten habe Mor Séne noch als Steppke vor fast 60 Jahren gelernt, sagt Vereinsmitglied Sabine Jaekel. Dazu Spielzeug, Fahrräder und Krankenhausbedarf. Sogar ein kleiner Prinzessinnenthron. Der Kern der Lieferung besteht aus Material, um ein zwei Hektar großes Gemüsefeld anzulegen: Werkzeug, Baumaschinen, Zaunelemente und eine solarbetriebene Wasserpumpe. Ein neues, mehr als 200 Meter tiefes Brunnenloch wird gebohrt, so tief ist das fossile Grundwasser in der trockenen Zone bereits abgesackt.
Menschen können sich Medikamente leisten

Der Zaun ist wichtig, damit das Vieh das Areal nicht betreten und die Pflanzen abfressen kann. Ein Teil des Areals soll als Baumschule verwendet werden. Bäume sind gerade in der Sahelzone wichtig, um Schatten für die Pflanzen zu spenden, den Boden mit Laub zu düngen und den kargen Boden bei Regen zusammenzuhalten.

Regen gibt es in der Region, sagt Dorothea Martl. Doch die Trockenzeiten werden länger und häufiger. Viele Viehbauern sind mit ihren Herden gen Süden gezogen, weil die Tiere kein Fressen finden. In eine Region, in der die Flüsse Sine und Saloum in einem Delta in den Atlantik münden. Der Senegal ist klimatisch zweigeteilt, im Süden ist es grün, im Norden erstreckt sich die Sahelzone als staubiger Vorbote der Sahara. Doch auch Ackerbauern haben Schwierigkeiten. Für die großen Felder reiche der neue Brunnen nicht aus, für das Gemüseprojekt aber schon. Vorwiegend Frauen werden dort Kartoffeln oder Zwiebeln in erster Linie für den Eigenbedarf anbauen. Was übrig bleibt, können sie verkaufen und sich dann möglicherweise wichtige Medikamente leisten. Nichts geht in den Export.

Für Andreas Hartmann ist das Projekt ein sinnvolles Beispiel für das Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe. Der Förderverein helfe dabei, in Labgar eine funktionierende Gesellschaft aufzubauen und den Menschen eine Bleibeperspektive zu geben. Immer noch verlassen viele junge Senegalesen ihre Heimat, weil sie dort keine Möglichkeit für sich sehen.

Information
Weil Dorothea Martl und Mor Séne unermüdlich für ihr Projekt werben, wird die Liste der Unterstützer größer. Nicht alle Unterstützer sind auch Mitglieder des Fördervereins, manche sammeln anlassbezogen dafür. Die Evangelische Kirchengemeinde Schloß Holte-Stukenbrock hat beim Liemker Erntedankumzug insgesamt 401,75 Euro für den Förderverein gesammelt. Kinder waren mit Spendendosen unterwegs. Am Umzugswagen prangte das Logo des Vereins. Bei einem Kleiderbasar in der Paderborner Kulturwerkstatt sind 1.800 Euro zusammengekommen. Weil noch Kleider übrig sind, wird es einen zweiten Basar geben. Auch einige Firmen und Institutionen engagieren sich für den Förderverein. Zum Beispiel: Steffens Pumpen (Delbrück), Ullner & Ullner (Paderborn), Fischer Technik (Hövelhof), Westfalia Spielgeräte (Hövelhof), Biohaus Stiftung (Paderborn), Hartmann International (Paderborn), ZEB Zentraler Baueinkauf (Paderborn), Beehoff (Verl), Bobe (Bad Salzuflen), Rotary Club Paderborn Kaiserpfalz, Zwei Lions Club (Paderborn), Inner Wheel (Paderborn).

Quelle: Neue Westfälische 2018

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